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#CountryStory Mali

Katharina S.
08. November 2023

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Mali, im Herzen West­afrikas gele­gen, besitzt eine lebendige Kultur, historische Bedeu­tung und atem­be­raubende Land­schaften, ist aber auch geprägt von wirt­schaft­lichen Problemen und struk­turel­len Schwierig­keiten.

Mali hat für uns eine ganz beson­dere Bedeu­tung: Es ist der Geburts­ort der Africa GreenTec-Idee und das Land unseres aller­ersten Pilot­projekts. Trotz der aktuell ange­spannten Situation im Land bleibt unsere Verbin­dung zu Mali immer bestehen und unsere Projekte werden weiter betrie­ben.

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Ein Blick in die Geschichte Malis

Mali kann auf eine faszi­nierende Geschichte zurück­blicken, denn einige der frühesten Zeug­nisse mensch­licher Zivili­sa­tion finden sich inner­halb der malischen Landes­grenzen. Die antike Stadt Timbuktu, die von der UNESCO zum Welt­kultur­erbe erklärt wurde, war einst ein bedeutendes Zentrum des Wissens und des Handels in der Region. Die Biblio­theken und Uni­versi­täten der Stadt zogen Gelehrte aus ganz Afrika und der arabi­schen Welt an und machten die Stadt zu einem Dreh- und Angel­punkt des intellektu­ellen und kulturellen Aus­tauschs. Die im 14. Jahr­hundert für die Stadt errich­tete Djinguereber-Moschee ist ein Zeug­nis der archi­tektoni­schen Pracht und des islamischen Erbes der Stadt.

Vielfältige kulturelle Traditionen

Mali ist ein multi­ethni­sches Land, in dem eine große Zahl von Bevölkerungs­grup­pen lebt. Es werden mehr als 15 verschie­dene Sprachen gespro­chen, von denen sich jede in verschie­dene Varianten und Dialekte aufge­gliedert. Die Amts­sprache ist Franzö­sisch, das jedoch in der länd­lichen Bevölkerung nicht weit verbrei­tet ist. Die Verkehrs­sprache ist Bambara, das von etwa 60–80 % der Bevölkerung gesprochen wird.

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Jede Gruppe hat ihre eigenen, einzig­artigen Tradi­tio­nen, Sprachen und Bräuche. Die Bambara, Dogon, Tuareg und Fulani sind nur einige der dyna­mischen Gemein­schaften, die zum kulturellen Gefüge Malis bei­tra­gen. Die Bambara sind die größte ethnische Gruppe in Mali und stellen 35 % der Bevölkerung. Man sollte die verschie­denen Bevölkerungs­gruppen Malis jedoch nicht als streng getrennte Gesell­schaften betrach­ten: Über­lappende Lebens­räume und ständi­ger kultureller Austausch sind die Regel.

Der Islam ist die vorherr­schende Reli­gion in Mali, wobei die Mehr­heit der Bevölkerung dem sunniti­schen Zweig des Islam anhängt. Er wurde im 9. Jahr­hundert in der Region einge­führt, vor allem durch arabische und berberische Händler und Gelehrte.

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Das wichtigste Element der Wirtschaft – die Landwirtschaft

Aufgrund der beson­deren geo­gra­fi­schen Lage in der Sahara herrschen beson­dere klima­ti­sche Bedingun­gen. Geprägt von langen Dürre­perioden und seltenen Stark­regen­fällen, die von den trockenen und harten Böden nicht aufge­nommen werden können, ist die Land­wirt­schaft schwierig. Da es keine oder unzu­verlässige und teure Wasser­pumpen gibt, ist Regen­feld­bau oft die einzige Möglich­keit. Dabei handelt es sich um eine Form der Land­wirt­schaft, bei der das Wasser für die Pflanzen durch die Nieder­schläge bereit­ge­stellt wird und keine zusätz­liche künst­liche Bewässe­rung einge­setzt wird.

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Infolge­dessen sind die Land­wirte gezwun­gen, alle 2 Jahre umzu­ziehen, um eine Über­be­an­spruch­ung des Bodens zu vermei­den. Dies ist in der Regel aus finanziellen Gründen und aus Mangel an Nahrungs­mitteln nicht möglich, so dass das Feld nach einigen Jahren der Nutzung "tot" wird. Das nutz­bare Land ist also nicht nur harten Gegeben­heiten ausge­setzt, sondern wird auch immer kleiner. Darüber hinaus verder­ben laut FAO etwa 40 Prozent der Obst- und Gemüse­ernten, da den Menschen die Möglich­keit der Kühlung fehlt.

Mit dem Fort­schrei­ten der Klima­krise nimmt auch die Wüsten­bildung zu. Unter Wüsten­bildung versteht man die Aus­brei­tung der Wüste, von der in Mali vor allem die Land­wirte betroffen sind (etwa 62 % der Bevölkerung sind in der Land­wirt­schaft tätig).

Aufgrund mangelnder Infra­struk­tur und Ressourcen liegt Mali laut BMZ im Jahr 2022 auf Platz 186 von 191 des Human Development Index.

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Malis politische Situation

Mali ist ein wunder­schönes, viel­fälti­ges Land mit vielen Perspek­tiven für eine bessere Zukunft, aber man darf die Probleme nicht igno­rie­ren. Vor allem poli­tisch hat sich die Lage in den letzten Jahren immer weiter verschlech­tert.

Seit den 1960er Jahren kam es immer wieder zu Aufstän­den des Volkes der Tuareg, die als Siedler im Land umher­ziehen. Doch 2012 fielen die Tuareg bewaffnet in Mali ein, um die Scharia durch­zu­setzen. Im Laufe der Zeit drangen auch andere bewaff­nete Gruppen in das Land ein. Die Vereinten Nationen (UN) versuchen seit 2012, den Menschen in Mali zu helfen. Auch deutsche Soldaten sind vor Ort, um sie zu unter­stützen. Die malische Regierung weigert sich jedoch, die Hilfe der UNO anzu­nehmen.

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Africa GreenTec und Mali

Mali steht vor großen Energie-Heraus­for­derungen. Über 60 % der Bevölkerung leben in länd­lichen Gebie­ten, in denen es kaum oder gar keinen Zugang zu Elektri­zi­tät gibt. Die Abhängig­keit von teuren und umwelt­schäd­lichen Energie­quellen wie Diesel­genera­toren und Kerosin­lampen hat die Entwick­lung gebremst und einen Kreis­lauf der Energie­armut aufrecht­erhalten.

Mali, das Herkunfts­land unserer Gründerin Aida Schreiber, war das erste Land, in dem wir aktiv waren und in dem unsere eigene Geschichte begann: Die Idee zu Africa GreenTec wurde im Juni 2014 in Mali geboren, als Aida und Torsten Schreiber vom malischen Präsi­den­ten einge­laden wurden, sich die nationale Energie­ver­sor­gung Malis anzu­sehen. Nach der Besich­ti­gung eines 20-Megawatt-Diesel­kraft­werks in der Haupt­stadt Bamako änderte sich ihr Leben. Das besich­tigte Kraft­werk wurde bereits in den 1960er Jahren gebaut und ist zusammen mit zwei weiteren Diesel­kraft­werken für die Steuerung der Grund­last in der malischen Millionen­metro­pole zustän­dig. Es ver­brennt täglich 170.000 Liter Diesel mit einem Wirkungs­grad von knapp über zehn Prozent bei einer Außen­tempera­tur von 45 °C im Schatten. Und das in einem Land mit durch­schnitt­lich 3.000 Sonnen­stunden im Jahr. Der Diesel muss täglich von 10 Sattel­schleppern auf einer kaputten Straße 1.500 Kilo­meter vom senegalesischen Hafen Dakar entfernt ange­liefert werden.

Diese Erfah­rung legte den Grund­stein für Africa GreenTec und den Traum, Menschen durch nach­haltige Energie­lösungen, wie z. B. Solar­ener­gie, zu stärken.

Im Jahr 2016 haben wir den welt­weit ersten Solartainer in Mourdiah, Mali, installiert. Seit­dem hat sich viel getan: In den vergan­genen Jahren sind 19 weitere Elektri­fizierungs­projekte von uns in Mali dazu­ge­kommen. An diesen ImpactSites wollen wir nun unsere Dienst­leistungen mit unseren ImpactProdukten wie dem Cooltainer, Watertainer und PumpUPs erweitern, um unsere Wirkungs­kraft und Unter­stützung für die Communities zu erhöhen.

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